Geschichte der Berufsschule

1872

Klein und bescheiden fing alles an, als man Ende Oktober 1872 die erste berufliche Schule in Dingolfing einrichtete. Sie hieß auch noch anders, man nannte sie Fortbildungsschule. Der Besuch war freiwillig, aber – wer sie nicht besuchen wollte oder durfte, der musste weiterhin in die Sonntagsschule gehen. Alle Schüler unterrichtete man in einer Klasse, ganz gleich, welchen Beruf sie erlernten oder welcher Jahrgangsstufe sie angehörten. Die Schülerzahl war sehr gering: Sie schwankte in den ersten 10 Jahren zwischen 10 und 18 Schülern. Unterrichtet wurde am Nachmittag in den Räumen der Volksschule, welche am Marienplatz, im Gebäude des jetzigen Cafe Wittelsbach untergebracht war. Im Jahre 1893 bezog man den zum ehemaligen herzoglichen Pfleghof (Herzogsburg) gehörenden umgebauten Getreidespeicher, den „Kasten“. Heute befindet sich dort die Herzog-Georg-Schule.

1894

Im Jahre 1894 wollte man die Fortbildungsschule zur Pflichtschule machen. Bayernweit waren damals etwa 50 % dieser Schulen bereits obligatorisch. Aber die Dingolfinger machten nicht mit! Es gab zwar keine Revolution, doch massive Proteste und Petitionen gegen die neue Pflicht. Der Schulbesuch von 17 bis 19 Uhr war vielen Lehrherren zu früh. Bei einer Verlegung von 19 bis 21 Uhr wäre man eher damit einverstanden gewesen. Der Magistrat der Stadt gab schließlich nach und man kehrte wieder zur Feiertagsschule zurück.

1905

Erst 1905 konnte der Stadtrat ein Ortsstatut durchsetzen, welches erneut den Pflichtbesuch der Fortbildungsschule vorsah. Die Schülerzahl stieg dadurch auf 49 und man konnte so drei Jahrgangsklassen einführen, die jedoch noch gemeinsam unterrichtet werden mussten. Geliebt wurde diese Plichtschule aber offensichtlich nicht, denn es gab im ersten Jahr gleich 243 Schulversäumnisse, davon 149 strafbar! Auch die Disziplin der Schüler war sehr gering, sie kamen zu spät, schwätzten und aßen im Unterricht. Gutwillige und fleißige Schüler wurden sogar von ihren Kameraden misshandelt, weshalb es auch ein gerichtliches Nachspiel gab.

1913

Im Jahre 1913 erließ die Königliche Regierung eine Verordnung, nach welcher die Gemeinden berufliche Schulen einrichten konnten, die den jetzigen schon sehr ähnelten. Auch der neue Name drückte dies aus, man sprach nun von der Berufsfortbildungsschule. Allerdings verhinderten Krieg und Nachkriegsnot die rasche Einführung in Dingolfing.

1926

Erst 1926, nachdem ein besonders eifriger und tüchtiger Gewerbelehrer dafür Reklame machte, erweiterte man in Dingolfing das berufliche Bildungsangebot. In dieser Berufsfortbildungsschule gab es erstmals Ganztagsunterricht in getrennten Klassen für Metallberufe, für das Baugewerbe sowie für das Nahrungsmittel- und Bekleidungsgewerbe. Leider musste dieses Projekt nach drei Jahren wieder eingestellt werden, weil man es nicht finanzieren konnte. Die Schüler gingen wieder in die Volksfortbildungsschule, in welcher – ohne eigenen Gewerbelehrer – alle Berufe zusammengefasst wurden. Mit der Namensänderung in Berufsschule im Jahre 1930 war leider keine Verbesserung verbunden.

1940

Die Firma Glas war mit den Ausbildungsergebnissen der Volksfortbildungsschule nicht mehr zufrieden, als ihre Lehrlinge bei der Facharbeiterprüfung in den Jahren 1939 und 1940 bei der IHK Passau versagten. Sie erreichte bei der Regierung eine Sonderregelung: Ihre Lehrlinge durften im letzten Halbjahr ihrer Ausbildung von betriebseigenen Ingenieuren unterrichtet werden und waren in dieser Zeit vom Unterricht befreit.

1945

Im Schuljahr 1945/46 gab es überhaupt keinen Berufsschulunterricht. Nach dem Krieg ging es sehr langsam aufwärts. Im Metallbereich konnten 1948 aufsteigende Fachklassen gebildet werden. Der Unterricht fand am Nachmittag in den Räumen der Volksschule und in Sälen von Gasthäusern statt: im Greitl-, im Loichinger- und im Bubenhofer-Saal.

1958

Erst 1958 erhielt Dingolfing für 900.000 DM ein eigenes Berufsschulgebäude. Die Firma Hans Glas spendete dazu 170.000 DM und die Firma Eicher 30.000 DM. Um Organisationskosten zu sparen, gründete man mit Nachbarlandkreisen einen Berufsschulverband. Mittlerweile gingen bereits 922 Schüler in die Berufsschule und es wurden immer mehr. So stellte sich das anfangs für viel zu groß gehaltene Schulgebäude bald als zu klein heraus. Es mussten zum Beispiel in einem Raum mit 60 m² 41 Einzelshandelskaufleute unterrichtet werden.

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Postkarte anläßlich des Berufsschulneubaus im Jahre 1958

1969

Der Kreistag beschloss deshalb 1965 einen Erweiterungsbau und am 14. Juni 1969 konnte der Neubau eingeweiht werden. Nun bot die Schule für 1200 Schüler Platz und es konnten neue Nutzungen angeboten werden: die Berufsaufbauschule, Industriemeisterkurse und IHK-Prüfungen.

Im Jahre 1973 übernahm der Landkreis wieder die Berufsschule in alleinige Regie und beantragte die Verstaatlichung. Neuer Schulleiter wurde Oberstudienrat Ehrl.

1984

Auch der Neubau von 1969 erwies sich bald als zu klein und so beschloss der Kreistag am 28. Februar 1980 ohne Gegenstimmen die erneute Erweiterung. Dieser Anbau, welcher am 10. Februar 1984 im Beisein des damaligen Kultusministers Prof. Hans Maier eingeweiht wurde, kostete fast 11 Millionen DM.

Nun konnten neue Berufe, z. B. die Handelsfachpacker, nach Dingolfing gebracht werden. Auch die Banklehrlinge der heimischen Banken brauchen jetzt nicht mehr zu anderen Schulorten zu pendeln. Eingespart werden seither Gastschulbeiträge, Fahrtkosten und -zeiten. Auch die Berufsaufbauschule wurde nach mehrjähriger Pause in neuer, attraktiverer Form als einjährige Ganztagsschule angeboten.

Seit 1989 trägt die Berufsschule den Beinamen Hans-Glas-Schule. Diese Namensverleihung soll die außergewöhnlichen Verdienste dieses Mannes um die berufliche Bildung in unserer Region hervorheben.

1997

Mittlerweile unterrichten ca. 80 Lehrkräfte über 2000 Schüler in 98 Klassen an der Berufsschule Dingolfing.

Der Schüleraustausch mit England, das Berufsvorbereitungsjahr für Jugendliche ohne Ausbildungvertrag sowie die Schulversuche „Duale Berufsausbildung und Fachoberschule“, bei dem in drei Jahren gute Realschüler eine Berufsausbildung und die Fachhochschulreife erhalten können, „Fremdsprachen an der Berufsschule“, „Fächerübergreifender und handlungsorientierter Unterricht“ (Hans-Glas-Schule ist hier Projektschule), „Technisches Englisch“ in den Elektroklassen und „Schule gestalten“ zeigen, dass die Berufsschule Dingolfing stets die Anforderungen der Zeit annahm.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn chinesische Lehrer ausgerechnet nach Dingolfing kommen, um hier die Geheimwaffe der deutschen Wirtschaft, unser duales Berufsbildungssystem zu studieren.

2000

Auch die EDV der Hans-Glas-Schule übersteht den befürchteten Jahr-2000-Gau ohne Probleme.

2001

An der Hans-Glas-Schule findet ein Tag der offenen Türe statt, die Resonanz  erfüllt aber nicht ganz die Erwartungen.

2003

Die neue Hans-Glas-Turnhalle wird nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb genommen. Damit einhergehend wurde auch das Pausengelände der Schule ansprechend neu gestaltet.
Die Hans-Glas-Schule erhält einen Förderverein.

2004

Die Einführung eines Online-Anmeldesystems ermöglicht den Einsatz moderner Kommunikationstechniken für die Schulanmeldung.

2005

Beginn der Sanierungsmaßnahmen, die sich über mehrere Jahre hinziehen werden. So werden die alten Fenster durch moderne mit Dreifachverglasung ersetzt, die Außenisolierung wird verbessert, eine Außentreppe ermöglicht einen weiteren Fluchtweg und ein Fahrstuhl sorgt für einen ersten Schritt in Richtung Barrierefreiheit.
Mit Hilfe des noch jungen Fördervereins wird die Hans-Glas-Schule in Dingolfing und an der Außenstelle in Landau mit Internet-Cafes aufgewertet.

2011

Im Frühjahr erhält die Hans-Glas-Schule für den Erfolg im Rahmen der DBFH-Ausbildung ein neues Logo: Berufsschule und Fachabitur.
Am 14. Juli erfolgt der lang erwartete Spatenstich für den Neubau der Berufsschule auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage. Dies ist gleichzeitig eine der letzten Amtshandlungen des scheidenden Schulleiters, Herrn Karlheinz Kranz.

2012

Im April nehmen 25 Schülerinnen und Schüler am PISA-Test teil. Das Ergebnis wird für Ende 2013 erwartet.
Im Juli erfolgt das Richtfest für den Neubau der gewerblich-technischen Abteilung.
An der Hans-Glas-Schule gibt es eine zweite Möglichkeit, neben der Berufsausbildung die Fachhochschulreife zu erwerben: Berufsschule Plus. Nach Vilshofen ist Dingolfing der zweite Standort für diesen Schulversuch in Niederbayern.

2013

Am Ende des Schuljahres 2012/13 und zu Beginn der Sommerferien erfolgte der Umzug von der Pestalozistraße in den Neubau am Bayerwaldring. Die Klassen des Berufsfeldes Wirtschaft und Verwaltung sowie SchülerInnen ohne Ausbildung befinden sich ab diesem Schuljahr in einem eigenen Gebäudekomplex.