„Dein Typ ist gefragt!“

Hans-Glas-(Berufs-) Schule zeigt mit einer Registrierungsaktion für Stammzellspender Tatkraft und Empathie

Dingolfing/Landau. Alle 15 Minuten erhält in Deutschland ein Mensch die Diagnose Leukämie. Häufig sind Kinder und Jugendliche betroffen. Mit Hilfe einer Stammzellspende gibt es für Blutkrebspatienten eine echte Heilungschance und Hoffnung auf ein zweites Leben. Initiiert von dem Religionspädagogen Christoph Schwimmbeck fand an der Hans-Glas-Schule, Berufsschule im Landkreis, in Zusammenarbeit mit der „DKMS“ eine Typisierungsaktion mit Infovorträgen und Registrierungsmöglichkeit statt.

Mucksmäuschenstill war es im Saal mit rund 100 Schülern, als Martina Holder von der DKMS gemeinnützige GmbH (Deutsche Knochenmarkspenderdatei Stiftung in Tübingen) per Filmeinspielung betroffene Menschen zu Wort kommen ließ: eine Mutter, die ihr dreijähriges Mädchen an den Blutkrebs verloren hatte, aber eben auch eine Jugendliche und einen jungen Mann, die dank einer Knochenmarkspende ein zweites Leben geschenkt bekamen. „Blutkrebs ist heilbar, wenn rechtzeitig ein Spender gefunden wird“, resümierte die Referentin. Trotz der 31 Millionen weltweit registrierten Unterstützer fände jeder siebte Patient keinen passenden Spender. „Denn die Gewebemerkmale müssen so überstimmen, dass man von einem genetischen Zwilling sprechen kann“, so Holder. Sie berichtete über die Gründung der DKMS 1991 aus einer privaten Initiative heraus. Bis heute entwickelte sich die DKMS zum weltweit größten Dateienverbund mit über 7,2 Millionen registrierten Spendern in über 50 verschiedenen Ländern und vermittle täglich im Schnitt 19 Stammzellspenden.

Nadine Mießlinger und Monika Deistler, zwei „Echtspenderinnen“, berichteten eindrücklich über ihre Erfahrungen mit ihrer Knochenmarkspende. Nadine Mießlinger war im Oktober letzten Jahres Lebensretterin einer 64-jährigen Frau, mit der sie im anonymen Briefkontakt steht. Erst nach zwei Jahren sieht der Gesetzgeber bei beiderseitigem Wunsch einen persönlichen Kontakt zwischen Spender und geheiltem Blutkrebspatienten vor. Bei Nadine erfolgte die Spende über eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenknochen. Hierzu war sie nach einer Voruntersuchung drei Tage nahe ihres Wohnortes in einem Krankenhaus. Unter Vollnarkose wurde ihr 1,7 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Im Körper regeneriere sich dies innerhalb weniger Wochen vollständig, erläuterte sie. Sie berichtete von dem Hochgefühl, als sie noch im Krankenhaus erfuhr, dass ihre Spende erfolgreich auf die Patientin übertragen worden war und betonte, dass alle Kosten inclusive Arbeitsausfall bei ihr und ihrem Mann von der DKMS vollständig übernommen worden seien. „Ich hatte keine Schmerzen oder Probleme und bin zwei Stunden nach der OP schon wieder Treppen gestiegen“, erinnerte sie sich.

Die häufigere Methode der Stammzellspende (ca. 80%) ist die periphere Stammzellentnahme. Per fünf-tägiger Medikamentengabe wird hierbei die Anzahl der Stammzellen im Blut gesteigert, die dann über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut gewonnen werden. Hierfür ist kein stationärer Aufenthalt nötig.

Im Anschluss an die Vorträge bestand die Möglichkeit zur Registrierung, die von den Schülern reichlich genutzt wurde. „Mit kleinem Aufwand kann man Großes bewirken“, zeigte sich Robert als neu registrierter Spender überzeugt. „Wenn ich betroffen wäre, würde ich mir wünschen, dass viele mitmachen“, versetzte sich Anna in die Lage an Leukämie Erkrankter. Julia und Patrizia nannten als Grund für ihre Registrierung: „dass ich Leben retten kann!“ und Adrian stimmte zu „das geht so einfach. Es ist nichts dabei.“ Sabrina wiederum betonte: „Ich bin Blutspender und wollte mich schon länger registrieren lassen. Heut´ ist meine Gelegenheit.“

Die Klasse FL 11h, instruiert von Klassenleiter und Aktionsinitiator Christoph Schwimmbeck, fungierte als Helferklasse. Die Schülerinnen und Schüler bereiteten die Bestuhlung an der Haupt- und Nebenstelle der Berufsschule vor, halfen beim Ausfüllen der Formulare oder leiteten den Wangenabstrich für die Gewebeprobe an. Diesen einfachen Abstrich mit zwei Wattestäbchen führte jeder Schüler oder Lehrer, der sich registrieren ließ, eigenständig durch. Die Klasse FL 10c backte mit den beiden Pädagoginnen Rita Bumes und Manuela Wolfrum 300 Lebkuchen, die in der Vorweihnachtswoche zum Verkauf an der Schule angeboten werden. Die Einnahmen kommen der DKMS zugute, die auf Spenden angewiesen ist. Denn jede Registrierung verursacht Kosten von rund 35 Euro. Auch die diesjährige Adventsammelaktion an der Schule wird diesem Spendenzweck zugeführt.

Insgesamt zehn Religions- und Ethiklehrerinnen und –Lehrer bringen sich an den drei Schulstandorten der Berufsschule in die Typisierungsaktion ein. Sie behandeln das Thema Stammzellspende im Rahmen ihres Unterrichts, informieren und bieten noch bis zu den Weihnachtsferien die Gelegenheit für die Registrierung von Schülern ab 17 (bis 55) Jahren. Allein am Aktionstag ließen sich 313 Schüler oder Lehrer bei der DKMS als potentielle Stammzellspender und damit mögliche Lebensretter registrieren. Eine Aktion, die nicht nur, aber gerade auch in die Adventszeit passt und Schule machen darf.

Diana Wolf

Dingolfinger Anzeiger

Zahlreiche Schüler der 11., 12. und 13. Klassen der Berufsschule hörten am Aktionstag am Mittwoch den Vortrag der DKMS-Referentin zur Stammzellspende für Blutkrebserkrankte.

Per Wattestäbchen und Wangenabstrich wird eine Gewebeprobe für die Registrierung als Stammzellspender angefertigt. An der Nebenstelle erfolgte diese Vorarbeit zur Typisierung mit Unterstützung von Helfern in kleinen Tischeinheiten.

Schüler der Helferklasse FL 11g standen an der Hauptstelle der Hans-Glas-Schule anleitend für die registrierwilligen Schüler zur Verfügung.

Sind alle Angaben vollständig? Schüler führten die Endkontrolle der Registrierung durch und sammelten Geldspenden. Stammzell-Spenderin Nadine Mießlinger stand für Fragen zur Verfügung.

Per Wattestäbchen und Wangenabstrich wird eine Gewebeprobe für die Registrierung als Stammzellspender angefertigt.

Initiator Christoph Schwimmbeck (von rechts), Spenderin Nadine Mießlinger, Referentin Martina Holder, Lehrerin Manuela Wolfrum und Nebenstellenleiter der Hans-Glas-Schule Konrad Ohlwerter am Aktionstag der DKMS an der Hans-Glas-Schule.