Wenn die Sonne das Handy lädt

Hans-Glas-Schule wurde als „Umweltschule in Europa – Internationale Agenda 21“ ausgezeichnet

Wie „sauber“ sind Elektrofahrzeuge tatsächlich? Was kann jeder Einzelne tun, um Abwasser zu reduzieren? Dies waren zwei der Kernfragen mit denen sich Schülerinnen und Schüler der Hans-Glas-Schule, Staatliche Berufsschule im Landkreis Dingolfing-Landau, im Rahmen zweier Projektarbeiten beschäftigten. Als Lohn für diesen Einsatz erntete die Berufsschule kürzlich eine Auszeichnung. Sie erhielt zum dritten Male die Zertifizierung als „Umweltschule in Europa 2017 – Internationale Agenda 21“ und wurde im Rahmen des diesjährigen Schulwettbewerbs mit weiteren bayerischen Schulen von Umwelt- und Verbraucherministerin Ulrike Scharf geehrt.
Um in den Genuss dieser Auszeichnung zu gelangen, müssen die teilnehmenden Schulen innerhalb eines Schuljahres zwei Projekte aus dem Themenkreis Umwelt und Nachhaltigkeit bearbeiten, dokumentieren und einer Fachjury vorlegen. Mit dem Thema „Elektromobilität mit Schwerpunkt Stromtankstelle und Photovoltaik“ – ein fächerübergreifendes Umweltprojekt – trafen die jetzigen Klassen der Elektroniker Betriebstechnik EBT 11b und EBT12a aus der Fachabteilung Elektrotechnik den Nerv der Zeit. Initiiert von den Pädagogen Fabian Demlehner und Andreas Stautner näherten sich die Schüler der Materie mit einem dreigliedrigen Projekt. Der erste Teil beinhaltete den eigenständigen Bau zweier Solarkoffer mit Hilfe berufsspezifischer Anleitungen. Unterstützt von den Schülerkollegen aus dem Metallbereich wurden die Koffer montiert. Die Erkenntnisse über die Funktionsweise von Photovoltaik, also der regenerativen Stromerzeugung durch Sonnenenergie, teilten die Berufsschüler durch Fachvorträge und Dokumentationen mit ihren Mitschülern aus anderen Fachbereichen. Eindrücklich ließen sich hierbei am Solarkoffer die Smartphones aufladen oder über mit Sonnenstrom versorgte Soundboxen Musik abspielen. Ein weiterer Projektteil setzte sich mit dem Lade-Management und den Möglichkeiten der Stromtankstelle an der Hans-Glas-Schule auseinander.
Das dritte Thema „Strom-Mix in Deutschland und unserer Region – Chancen und Herausforderungen der Elektromobilität“ barg für die Schüler durchaus einen Aha-Effekt. In einem wissenschaftlichen Format verglichen sie ein gängiges Elektrofahrzeug mit 10000 Kilometer Jahresleistung mit einem vergleichbaren Benzinauto. Zwar konnte eine Reduktion des Kohlendioxidausstoßes gegenüber einem motorisierten Auto ermittelt werden. Der Vorteil hinsichtlich des Schadstoffausstoßes war jedoch weitaus geringer als erwartet. Die Schüler erkannten mit geschärftem Blick, „es kommt auf den Strom-Mix an“. Nur der Ausbau erneuerbarer Energien (Sonne, Wind, Wasser) kann zu „sauberer“ Elektromobilität führen.
Mit dem „Lebensraum Wasser“ beschäftigte sich die jetzige Einzelhandelsklasse EH 12 an der Nebenstelle der Berufsschule mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung neun Wochen lang. Logistisch unterstützt wurden sie durch die Lehrkräfte Isolde Morgenstern und Michael Selbitschka. Einstieg ins Thema bot eine Besichtigung der städtischen Kläranlage mit Dominik Riemer, dem Klimaschutzbeauftragten der Dingolfinger Stadtwerke. Wasserkreislauf, Fließgewässer, Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung standen schließlich bei den Recherchen im Mittelpunkt. Ihre Ergebnisse präsentierten die Schüler mittels selbst gefertigter Plakate und Powerpoint-Präsentationen an fünf Schultagen insgesamt vierzehn Besucherklassen und fungierten so als wertvolle Multiplikatoren ihrer erworbenen Erkenntnisse.
Die Auszeichnung „Umweltschule in Europa“ erhalten Schulen, die selbstentwickelte Projekte zu Themen wie biologische Vielfalt, Klima- oder Umweltschutz und Nachhaltigkeit durchführen. Sie soll Kinder und Jugendliche motivieren, sich für den Umweltschutz zu engagieren und mit ihrem Einsatz Vorbild für andere zu sein. „Wir werden uns auch im kommenden Jahr mit Projekten für das Zertifikat bewerben“, so Thomas Haider, Umweltbeauftragter an der Berufsschule.
Diana Wolf

Elektroniker Betriebstechnik: Stolz präsentieren die Schüler der Elektrotechnik mit (von links) Schulleiter Reiner Sagstetter und den Lehrern Fabian Demlehner und Andreas Stautner das erworbene Umweltzertifikat. „Stromtankstelle und Photovoltaik“ war ihr Projektthema.


Einzelhandelsklasse: Schulleiter Reiner Sagstetter (links)und die Pädagogen Isolde Morgenstern und Michael Selbitschka freuen sich mit den Schülern der Klasse EH12 über den Erfolg ihres Projektes zum Thema „Lebensraum Wasser“.